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An diesen 15 Zeugnisformulierungen erkennen Sie einen Lerntherapiebedarf

Aktualisiert: vor 2 Tagen

,,Oft lassen sich schon ab Klasse 1 Hinweise auf eine exekutive Dysfunktion im Zeugnis finden." - Jasmin Hennig
,,Oft lassen sich schon ab Klasse 1 Hinweise auf eine exekutive Dysfunktion im Zeugnis finden." - Jasmin Hennig

Jasmin Hennig, 07.01.2026 über typische Zeugnisformulierungen bei Lerntherapiebedarf


Vor ein paar Monaten las ich gemeinsam mit einem Freund seine Zeugnisse aus der Schulzeit. Diese sollte er zum Termin für eine ADHS-Diagnosestellung mitbringen.


Doch warum können diese für eine Diagnose relevant sein?

Schulzeugnisse sollen Leistungen dokumentieren und die kindliche Entwicklung im Schulkontext beschreiben. Zudem enthalten sie kurze Sätze über das Sozialverhalten, Aufmerksamkeit, Zeitmanagement, selbstständiges Arbeiten oder die Organisationsfähigkeit.


Mir selbst entglitten beim Lesen der Zeugnisformulierungen die Gesichtszüge, weil ich bedauerlicherweise feststellte, dass dieselben Formulierungen über eine unsaubere Handschrift, über interessenabhängige und stark schwankende Mitarbeit und Konzentration, vergessene Materialien und Hausaufgaben ab Klasse 1 in jedem Zeugnis standen.


Wusste wirklich niemand, dass diese Merkmale einer exekutiven Dysfunktion (bei ADHS/ASS oder anderen Art der Neurodivergenz) zugrunde liegen?


Er hat schon früh den Glauben in sich und seine Fähigkeiten sowie die Freude an Schule verloren und machte die Erfahrung, dass seine Verhaltensweisen für Ablehnung sorgen. Er erlebte, dass er immer wieder für dieselben Dinge gestraft wurde, ohne dass jemand verstand, woher seine Probleme rührten und ohne, dass er etwas an seinem Verhalten hätte ändern können.


Wenn Lehrkräfte und Eltern selbst so hilflos sind, wie können Kinder und Jugendliche gesund, erfolgreich und beziehungsstark durch die Schule kommen?


Diese 15 Zeugnisformulierungen sind deutliche Hinweise auf einen Lerntherapiebedarf:


  1. ,,Hausaufgaben werden oft nicht sorgfältig genug angefertigt."


  1. ,,Ihre Hausaufgaben und Arbeitsmaterialien sind häufig nicht vollständig."


  1. ,,Er hat häufig Schwierigkeiten, mit anderen zusammenzuarbeiten."


  1. ,,Sie muss noch zu oft an das Beginnen mit einer Aufgabe und an die Weiterarbeit erinnert werden."


  1. ,,Er verfolgt den Unterricht nicht immer aufmerksam und beteiligt sich kaum mit eigenen Beiträgen."


  1. ,,Sie arbeitet noch nicht immer zielorientiert und benötigt mehr Zeit als vorgesehen."


  1. ,,Die ihm übertragenen Aufgaben erfüllt er nur nach Aufforderung."


  1. ,,Unterrichtsbeiträge erfolgen oft ohne vorangegangene Meldung."


  1. ,,Er ist häufig in Streitigkeiten verwickelt und benötigt oft Unterstützung durch Erwachsene, um diese zu klären."

  2. ,,Es fehlt oft die Bereitschaft, über Fehler zu sprechen und sich zu entschuldigen."


  1. ,,Das Leseverständnis ist noch stark von der Automatisierung der Wortkennung abhängig."


  1. ,,Sie benötigt noch Unterstützung, um die relevanten Informationen in den Textaufgaben zu identifizieren."


  1. ,,Das Kopfrechnen gelingt nur mit Mühe."


  2. ,,Schriftliches oder anschauliches Rechnen ist auch bei einfacher Aufgabenstellung nötig."


  1. ,,Er hat noch große Schwierigkeiten beim Umgang mit Größen wie Zeit, Geld, Längen (z. B. Zentimeter) oder Massen (z. B. Kilogramm)."



Eine reine Beschreibung dieser Verhaltensweisen hilft den Lernenden nicht dabei, Strategien und Methoden zu entwickeln. Diese sind jedoch die Grundlage, um Lernen, gelingende Beziehungen und Wohlbefinden im System Schule überhaupt zu ermöglichen.


In der Lerntherapie, im Elterntraining und in der Beratung von Lehrkräften nehmen wir uns genau diesen Themen an, unabhängig davon, woher sie rühren.


Viele Kinder und Jugendliche und ihre Familien erkennen im Anschluss an meine Lerntherapie: Ich war nicht faul. Ich war nicht zu dumm.


Ich wurde übersehen und habe permanent ohne die notwendigen Strategien gelernt. Das Lernen konnte so nicht funktionieren.

 
 
 

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