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ADHS - Die drei Subtypen

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Jasmin Hennig 15. November 2025 über ADHS und die drei Ausprägungen


Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass ADHS eine besondere neurobiologische Funktionsweise ist. Diese ist auf ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin zurückzuführen. Dopamin fungiert im Gehirn als Motor für Motivation, Aufmerksamkeit und Belohnung. Noradrenalin benötigen wir für ,,Wachheit" und die Fähigkeit, unsere Körperfunktionen in stressigen oder bedrohlichen Situationen anzupassen.

Der Neurotransmitter leitet Stresssignale besonders schnell zum Gehirn und regt die Bildung und Freisetzung von Adrenalin über eine Aktivitätssteigerung des Sympathikus an. Folge daraus ist eine erhöhte Aufmerksamkeit - was dazu führt, dass wir in stressigen Situationen schnell handeln. Ein Ungleichgewicht bei Dopamin und Noradrenalin führt dazu, dass Emotionen, Aufmerksamkeit und die Handlungen anders gesteuert und reguliert werden.


Man unterscheidet ADHS in drei Subtypen:

bilderimkopfconcepts Lena Bannasch
bilderimkopfconcepts Lena Bannasch

ADHS I: Die hypoaktive Ausprägung (früher ADS genannt)

  • Konzentrationsschwierigkeiten oder auffallend intensive Konzentrationsfähigkeit abhängig vom Interesse

  • Ideenreichtum, Feinfühligkeit, im Moment lebend

  • Vergesslichkeit z.B. bei Hausaufgaben/Schlüssel/auf Nachrichten antworten

  • Zeitblindheit: häufiges Zuspätkommen, Bus verpassen

  • Zurückhaltung im Unterricht

  • Soziale Besonderheiten durch: hohe Beobachtungsgabe, viel Bedürfnis nach Rückzug zur Verarbeitung, hohe Sensibilität

  • Lern- und Teilleistungsstörungen häufiger

    • Lese-Rechtschreibschwäche

    • Dyskalkulie (Rechenschwäche)

  • häufiger Allergien, Reizdarm durch besonders hohe Cortisolreaktion auf akuten Stress

  • ca. 35 % der ADHS-diagnostizierten Kinder und Jugendlichen haben diese Ausprägung


ADHS HI: Die hyperaktive Ausprägung

  • deutliche Ausprägung von

    • Ausdrucksstärke, Energie, viele Gedanken gleichzeitig im Kopf haben

    • Impulsivität: Reinrufen ohne Meldung, (Kauf-)entscheidungen sofort fällen müssen, Unfähigkeit im Streit unüberlegte Worte zurückzuhalten

  • hohe Motivation, Begeisterungsfähigkeit, häufig intensive und überdurchschnittliche Konzentration bei Interesse

  • wenig Unaufmerksamkeit

  • Soziale Konflikte durch: hohes Autonomiebedürfnis, starken Selbstschutz, Willensstärke, starke Gefühle, direkte, unüberlegte Wortwahl/Reaktionen, schnell/viel Reden

  • Abgeflachte Cortisolreaktion auf akuten Stress führt u. A. zu Reizbarkeit, Sensibilität auf sensorische Reize, atypischer Depression, häufigen Entzündungen und chronischen Schmerzen.

  • ca. 30 % der ADHS-diagnostizierten Kinder und Jugendlichen haben diese Ausprägung



ADHS C: Der Mischtyp

  • vereint hyperaktive und hypoaktive Merkmale

  • ca. 35 % der ADHS-diagnostizierten Kinder und Jugendlichen haben diese Ausprägung


Etwa 50 Prozent der ADHS-neurodivergenten Menschen erfüllen auch die Kriterien für eine Autismus-Diagnose. 80 Prozent der Autisten sind auch ADHS-neurodivergent. Ein gemeinsames Auftreten von zwei oder drei Arten der Neurodivergenz (wie z.B. eine ADHS-Autismus Kombination oder eine AuDHS mit Hochbegabung) kann dazu führen, dass sich die ADHS-, Autismus- und Hochbegabungsmerkmale gegenseitig verstecken und nach außen ,, unsichtbar" werden.


Dies bedeutet leider nicht unbedingt, dass der Leidensdruck für diese Personen sinkt, sondern nur, dass eine Diagnosestellung erschwert wird, Hilfsangebote verwehrt bleiben und oftmals Begleiterkrankungen (wie z.B. chronische Schmerzen, Entzündungen, Burnout, Depressionen, Essstörungen, Angststörungen, Alkoholsucht, Drogensucht) die unerkannte Neurodivergenz zusätzlich überlagern.

 
 
 

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